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Segelflug
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Der Segelflug ist das motorlose Fliegen mit Segelflugzeugen, Motorseglern und Gleitflugzeugen, wobei auch der kraftsparende Gleitflug, z. B. von Greifvögeln und Albatrossen, als Segeln bezeichnet wird. Bei dieser Art des Fliegens werden thermische oder dynamische Aufwinde genutzt, deren Energie in Höhe und/oder Fluggeschwindigkeit und/oder Reichweite umgesetzt wird. Die fĂŒr den Segelflug eingesetzten Flugzeuge sind mit großer Streckung und einer aerodynamisch gĂŒnstigen Form fĂŒr ein möglichst großes GleitverhĂ€ltnis ausgelegt.

Contents

‱ Geschichte
‱ Wasserkuppe
‱ Der Start
‱ Überblick
‱ Windenstart
‱ Eigenstart
‱ Autoschlepp
‱ Fußstart
‱ Rollstart
‱ Grundlagen
‱ Hangaufwind
‱ Wellenflug
‱ Landung
‱ Ausbildung
‱ Disziplinen
‱ Bedeutung
‱ Literatur
‱ Geschichte
‱ Weblinks

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Geschichte

Schon Otto Lilienthal gelang es um 1895 bei seinen Gleitflugversuchen, den Hangaufwind zur VerlĂ€ngerung der Flugstrecke zu nutzen. Bei starkem Wind konnte er sogar Höhengewinne erreichen und fĂŒr einige Zeit ĂŒber seinem Abflugpunkt schweben.cite-ref-lilienthal-1-0[1] Zeitgleich fĂŒhrte auch Alois WolfmĂŒller, weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt, erste Flugversuche am Lechhang bei Landsberg durch. Die BrĂŒder Wright nutzten 1902 den stabilen Hangaufwind der AtlantikkĂŒste, um mit ihrem 1902 Wright Glider die Flugsteuerung mit beweglichen SteuerflĂ€chen zu testen und bis zur Patentreife zu entwickeln. Bei den dazu durchgefĂŒhrten GleitflĂŒgen waren sie bis zu 26 Sekunden in der Luft.cite-ref-2[2] Im Jahr 1911 nahmen sie ihre Gleitflugstudien am Atlantik wieder auf. Dabei gelang Orville Wright ein vortriebsloser Schwebeflug von nahezu zehn Minuten. Dieser Rekord wurde erst am 30. August 1921 von Wolfgang Klemperer mit der FVA-2 Blaue Maus auf der Wasserkuppe verbessert.cite-ref-3[3]cite-ref-flugsport1921-19-4-0[4] Bereits am 18. August 1922 fĂŒhrte Arthur Martens mit dem HAWA Vampyr mit 66 Minuten Flugzeit den ersten motorlosen „Stundenflug“ durch.

Mit der rasanten Entwicklung von Ottomotoren mit hoher Leistung und geringem Gewicht gelang der motorisierte Flug, und der Segelflug geriet zunĂ€chst in Vergessenheit, bis der Versailler Vertrag in Deutschland den Motorflug verbot. „Die Sieger des Weltkriegs hatten den Besiegten den Himmel gesperrt“. Zahlreiche Flugbegeisterte, zum Teil die Piloten des Ersten Weltkriegs, aber auch einfach nur Fluginteressierte, vom Jugendlichen bis zum reichen Erben, versammelten sich seit 1920 auf der Wasserkuppe in der Rhön, um hier den motorlosen Flug zu untersuchen und in der Praxis auszuprobieren. Hier erprobten sie völlig unterschiedliche Konzepte von Segelflugapparaten, Starttechniken und Auftriebsnutzungen. „So entstand aus bitterer Not und echtem Lutherstolz der deutsche Segelflug“ (Chronist Peter Supf). Besonders ein Entwickler und Pilot der ersten Stunde, Alexander Lippisch, gelangte durch seine NurflĂŒgelkonstruktionen spĂ€ter zu Weltruhm.

Wasserkuppe

Alexander Lippisch und Gottlob Espenlaub waren zwei deutsche Flugzeugkonstrukteure, die ihre Karrieren am Flugplatz Wasserkuppe begannen. Dabei wurde auch mit neuen Materialien experimentiert. Die Zelle der F.S.3 von Ferdinand Schulz war zum Beispiel nur aus TannenbĂ€umen und TĂŒrscharnieren gefertigt. Die Bespannung bestand aus alten Armee-BettbezĂŒgen, und die Steuerung erfolgte nur ĂŒber zwei, TischtennisschlĂ€gern Ă€hnliche, Ruderklappen an den TragflĂ€chenenden. Dadurch erhielt dieses FluggerĂ€t den Spitznamen „Besenstiel“. Trotz dieser einfachen Bauweise konnten damit zahlreiche Rekorde erflogen werden.

Neben der Wasserkuppe entstanden weitere FlugplĂ€tze, wie der 1923 errichtete Flugplatz in Hirzenhain (heute Gemeinde Eschenburg im Lahn-Dill-Kreis). An diesem experimentierten Flugbegeisterte mit selbst gebauten FluggerĂ€ten unter großem öffentlichem Interesse.

Ostpreußen

Ein bedeutender Standort des deutschen Segelflugs war auch das ideal geeignete DĂŒnengelĂ€nde der Kurischen Nehrung zwischen Ostsee und Kurischem Haff in Ostpreußen. In den Königsberger WerkstĂ€tten des Vereins fĂŒr Luftfahrt baute Ferdinand Schulz 1923 die ersten Segelflugzeuge. Im selben Jahr wurde der erste Wettbewerb als „Erster deutscher KĂŒstensegelflug“ ausgetragen. Die Rhön-Rossitten-Gesellschaft grĂŒndete 1926 in Rossitten die berĂŒhmte Segelflugschule. Mehrere Weltrekorde wurden erflogen, zuletzt 1938 von Boedecker und Zander ein Dauerflugrekord mit 50 Stunden und 15 Minuten.cite-ref-5[5] Ab 1925 flog man auch in Korschenruh am Frischen Haff, wo 1933 eine Fliegerschule eingerichtet wurde. Die samlĂ€ndische SteilkĂŒste nördlich von Palmnicken wurde 1929 als ÜbungsgelĂ€nde entdeckt.cite-ref-6[6]

Aus der Fliegergemeinschaft „Rossitten“ ging 1926 die Studentenverbindung „Fliegerschaft Preußen“ hervor. Ein Mitglied war Carl Friedrich Goerdeler.

Laucha an der Unstrut

In den 1920er Jahren begannen Segelflieger, bei Laucha an der Unstrut an HÀngen der Unstrut zu starten und zu soaren.cite-ref-7[7] Der Flugplatz Laucha wurde zu einem bedeutenden SegelfluggelÀnde.cite-ref-8[8]

Technische Entwicklung

Die 1921 vorgestellte „Vampyr“ der hannoverschen Akaflieg zeigte, in welche Richtung sich der Segelflugzeugbau entwickeln sollte. Dieser Eindecker hatte zwar noch kleine Streben, sein Luftwiderstand war jedoch durch den sauber ausgeformten, beplankten Rumpf mit kleinem Cockpitausschnitt und die Wahl eines dĂŒnneren FlĂŒgelprofils im Vergleich zu den in reiner „Junkers-Bauweise“ mit völlig freitragendem, dicken FlĂŒgel gebauten Siegern der ersten Rhönwettbewerbe, FVA-1 Schwatze DĂŒvel und FVA-2 Blaue Maus, deutlich vermindert. Diese Auslegung resultierte in einer klaren Leistungsverbesserung, die den Vampyr zum ersten echten Segelflugzeug und „Urahn“ aller spĂ€teren Leistungs-Segelflugzeuge machte.

Nur die Wenigsten waren ohne Ausbildung in der Lage, diese komplexen, zumeist auch aerodynamisch instabilen FluggerĂ€te zu steuern. Viele Versuche, sich das Fliegen im Rahmen der „Erprobung selbstgebastelten GerĂ€ts“ autodidaktisch beizubringen, endeten mit mehr oder weniger schwerem „Bruch“. Die ersten erfolgreichen Segelflieger der 1920er-Jahre waren ehemalige Piloten des Ersten Weltkriegs, die das Fliegen bereits prinzipiell beherrschten. Zur Ausbildung geeignete doppelsitzige Gleit- und Segelflugzeuge, auf denen sie ihre Kenntnisse weitergeben konnten, gab es noch nicht, sie erschienen zu schwer und unhandlich fĂŒr den Gummiseilstart und bodennahen Hangflug. Fritz Stamer entwickelte deshalb um 1924 die bis in die 1960er-Jahre verwendete Ausbildungsmethodik auf einfachen einsitzigen Schulgleitern (Hol’s der Teufel, RRG-1 „Zögling“). Sie ermöglichte eine einigermaßen sichere Flugausbildung hin zum risikoarmen Umstieg auf die damaligen Leistungssegler.

Nationalsozialistisches Deutschland

Der Reichswehr war bewusst, dass das Segelfliegen eine hervorragende Ausbildungsmöglichkeit fĂŒr zukĂŒnftiges Personal spĂ€terer LuftstreitkrĂ€fte bot. Deshalb wurde nach der Machtergreifung im Jahre 1933 der gesamte Luftsport in Deutschland neu geordnet. Die meisten Gruppen und Organisationen des Segelflugs und des sonstigen Luftsports wurden zwangsweise aufgelöst und, zusammen mit den Fliegerstaffeln der SA, SS und Stahlhelm, unter dem Deutschen Luftsportverband (DLV) gleichgeschaltet.cite-ref-deutschemuseum-9-0[9] Hinzu kamen aus der Reichswehr formell ausgeschiedene Soldaten als Fliegerschaft. Vorsitzender wurde Bruno Loerzer. Letztendlich war der DLV eine paramilitĂ€rische Tarnorganisation zur Aufstellung der Luftwaffe. Der Segelflug hatte ab diesem Zeitpunkt vornehmlich zur Werbung und vormilitĂ€rischen, fliegerischen Ausbildung Jugendlicher und junger Erwachsener fĂŒr die zukĂŒnftige Luftwaffe zu dienen. Aus der Forschungsabteilung der Rhön-Rossitten-Gesellschaft wurde 1933 das Deutsche Institut fĂŒr Segelflug und 1937 die Deutsche Forschungsanstalt fĂŒr Segelflug (DFS) und zu einer der großen deutschen Luftfahrtforschungsanstalten weiterentwickelt. Der hohe Bedarf an AusbildungsgerĂ€t fĂŒhrte zur systematischen Entwicklung von einsitzigen Schulgleitern wie dem SG 38, der in hoher Anzahl von Firmen oder als Selbstbau hergestellt wurde.

Nach der Offenlegung der Luftwaffe im Jahre 1935 wurden zwei Jahre spĂ€ter die im DLV verbliebenen Organisationen in das neu gegrĂŒndete Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) ĂŒberfĂŒhrt. Damit hatte die AusĂŒbung des Luftsports und damit auch des Segelflugs im Deutschen Reich nach den Richtlinien des KorpsfĂŒhrers des NSFK zu erfolgen.cite-ref-rgbl1937-10-0[10] Das NSFK war eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und unterstand direkt dem Reichsluftfahrtminister Hermann Göring.cite-ref-landesarchiv-11-0[11] Der KorpsfĂŒhrer war ein aktiver General der Luftwaffe.

Aufgrund eines Abkommens zwischen dem KorpsfĂŒhrer NSFK und dem ReichsjugendfĂŒhrer wurde der fliegerische Nachwuchs systematisch ausgewĂ€hlt. ZunĂ€chst erfasst in den Arbeitsgemeinschaften des Deutschen Jungvolks (DJ), wurden die zehn- bis 14-jĂ€hrigen Pimpfe im Modellbau und Modellflug unterrichtet.cite-ref-rotenburg-12-0[12] Im Alter von 14 bis 18 Jahren ging es in den Luftsportscharen der Hitlerjugend (HJ) an den Bau von Gleit- und Segelflugzeugen sowie die praktische Schulung darauf. Mit 18 Jahren wurden die Hitlerjungen in die entsprechenden StĂŒrme des NSFK zwecks Weiterbildung im Segelflug und abschließend dem Motorflug auf Kleinflugzeugen ĂŒbernommen. Sie erhielten eine fliegerische Beurteilung der entsprechenden NSFK-Ausbilder und wurden automatisch von den Wehrersatzbehörden erfasst. Sie waren Teil der Luftgaureserve und wurden im Regelfall zum Wehrdienst in die Luftwaffe eingezogen.

Außerhalb der Flieger-HJ und NSFK war ein Flugbetrieb im Segelflug nur noch eingeschrĂ€nkt möglich. Eine gewisse UnabhĂ€ngigkeit erhielten zunĂ€chst die aus den aufgelösten Akaflieg hervorgegangenen Flugtechnischen Arbeitsgemeinschaften der Ingenieurschulen und Flugtechnische Fachgruppen an den Technischen Hochschulen, die unter dem Dach der Deutsche Versuchsanstalt fĂŒr Luftfahrt ihren Flugbetrieb gestalten konnten und großzĂŒgig ausgestattet wurden.cite-ref-akaberlin-13-0[13] Jede Erteilung einer Segelfluglizenz musste aber vom KorpsfĂŒhrer des NSFK genehmigt werden. Hinzu kam ab 1936 die lĂŒckenlose Überwachung des Segelflugbetriebs durch die neu aufgestellte Luftaufsichtswache (VorgĂ€nger des heutigen Flugleiter).cite-ref-rgbl1936-14-0[14] Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgte dann die direkte Eingliederung in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund, deren Mitglieder dem NSFK beitreten mussten.cite-ref-akaberlin-13-1[13]

AusgewĂ€hlte Segelflugpiloten konnten an LehrgĂ€ngen der sieben Reichssegelflugschulen teilnehmen. AuslĂ€ndern oder nichtorganisierten Segelfliegern standen davon nur drei offen, da die anderen gegenĂŒber der Öffentlichkeit abgeschirmt wurden. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Segelflugbetrieb, im Gegensatz zu anderen Sportarten, als kriegswichtig eingestuft und intensiviert, um den steigenden Bedarf an Piloten fĂŒr die Wehrmacht zu decken. Der Bau und Ausbildungsbetrieb wurde bis Ende 1944 fortgesetzt, zuletzt aufgrund der LuftĂŒberlegenheit der alliierten Flugzeuge mit Segelflugzeugen in Tarnanstrich.

Segelfliegen war bei den Olympischen Sommerspielen 1936 Demonstrationssport. Die Wettbewerbe fanden in Berlin-Staaken statt. Bei den Olympischen Sommerspielen 1940 sollte es eine olympische Sportart werden.cite-ref-aero-15-0[15] Speziell hierzu wurde von der Deutschen Forschungsanstalt fĂŒr Segelflug die DFS Olympia Meise konstruiert.

Der Start

Überblick

Jedes Segelflugzeug muss beim Start zuerst mit fremder energetischer Hilfe auf eine gewisse Ausgangshöhe gebracht werden, bevor es selbstĂ€ndig weiterfliegen kann, sofern es nicht ĂŒber einen anderen Antrieb (Eigenstarter) verfĂŒgt, die in den letzten Jahren immer hĂ€ufiger wurden. Dazu wird es meistens von einem Motorflugzeug oder von einer Seilwinde geschleppt. In den USA wird sehr selten noch mit einem Auto geschleppt. In den AnfĂ€ngen des Segelflugs waren die Flugzeuge unten offen und der Pilot musste durch Anlaufen an einem Hang starten.

FrĂŒher bei Hochleistungssegelflugzeugen, heute nur noch bei Gleitflugzeugen werden auch Gummiseile verwendet, die durch zwei Gruppen in V-Form ausgezogen und somit auf Spannung gebracht werden. Das Flugzeug wird mit einem Erdanker im Boden befestigt und bei genĂŒgend Spannung per Kupplung gelöst. Der Gummiseilstart wird meist am Hang eingesetzt, da die erreichbaren Ausklinkhöhen von 10 bis 30 m (zunĂ€chst) nur fĂŒr den Hangflug genĂŒgen. Aufgrund der nur selten gegebenen guten geografischen Bedingungen wird diese Startart auch heute noch beinahe ausschließlich an bekannten Orten, wie z. B. auf der Wasserkuppe, durchgefĂŒhrt.

Moderne Seilwinden bringen ein Segelflugzeug beim Start auf eine Höhe, die in etwa der halben SchleppseillÀnge entspricht (auf den meisten FlugplÀtzen sind das Ausklinkhöhen zwischen 300 m und 600 m), wobei hierbei entweder Stahl- oder Kunststoffseile verwendet werden. Die derzeit maximale Höhe wurde bei einem Sonderprojekt mit 1500 Metern erreicht, wobei eine SeillÀnge von ca. drei Kilometern vorhanden war. In der Regel betrÀgt die LÀnge der Schleppstrecken jedoch nur zwischen 800 Metern und 1500 Metern. Nach dem Ausklinken des Schleppseils kann das Segelflugzeug ohne weiteren Antrieb im Gleitflug weiterfliegen.

Windenstart

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Hauptartikel

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Windenstart

Beim Windenstart wird das Segelflugzeug mit Hilfe einer Seilwinde in die Luft gezogen. Die Winde mit einer Motorleistung von 100 bis ĂŒber 350 kW zieht das Flugzeug an einem Seil. FrĂŒher wurden ausschließlich Stahlseile eingesetzt, seit einigen Jahren werden zunehmend Synthetikfaserseile verwendet. Die SeillĂ€nge ist durch die PistenlĂ€nge begrenzt und betrĂ€gt meist etwa 1000 m, es wurden aber auch schon Seile mit einer LĂ€nge von bis zu 3000 m eingesetzt.cite-ref-16[16] Das Seil wird dabei auf einer Windentrommel aufgerollt, das Segelflugzeug wird auf etwa 90–130 km/h beschleunigt. Durch den Auftrieb, der dabei an den TragflĂ€chen entsteht, hebt das Segelflugzeug ab, wenn ein ausreichender Bodenanstellwinkel der TragflĂ€chen gegeben ist. Die Kombination der hohen Motorleistung mit dem geringen Gewicht eines Segelflugzeuges fĂŒhren zu Formel-1-Ă€hnlichen Beschleunigungswerten (0 bis 100 km/h in etwa 2 bis 3 Sekunden). Das Flugzeug erreicht seine Startgeschwindigkeit von 80 bis 100 km/h in der Regel nach etwa 20 bis 30 Metern und hebt ab. Durch sanftes Ziehen am Höhenruder geht der Pilot dann in den Steigflug ĂŒber, bis das Seil schließlich automatisch kurz vor dem Überfliegen der Winde ausgeklinkt wird. Die erreichbare Flughöhe betrĂ€gt ein Drittel bis zur HĂ€lfte der ursprĂŒnglichen SeillĂ€nge, bei besonders gĂŒnstigen Wetterbedingungen wie starkem Gegenwind oder mĂ€ĂŸiger Seitenwindkomponente auch mehr.

Ohne Zug auf dem Seil öffnet sich nach dem Ausklinken ein Fallschirm am Seilende, so dass das Schleppseil kontrolliert bis auf die letzten Meter vollstĂ€ndig auf die Seiltrommel aufgewickelt werden kann. FĂŒr den nĂ€chsten Start wird das Seilende mit dem RĂŒckholfahrzeug (Lepo) zur Startstelle zurĂŒckgebracht.

Windenstarts sind besonders in der Ausbildung beliebt, da sie preisgĂŒnstig sind und eine rasche Startfolge erlauben. Nachteilig ist jedoch die begrenzte Schlepphöhe und der verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohe Personalaufwand.

Flugzeugschlepp („F-Schlepp“)

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Flugzeugschlepp

Beim Flugzeugschlepp oder abgekĂŒrzt „F-Schlepp“ wird das Segelflugzeug von einem Motorflugzeug, einem Motorsegler oder einem Ultraleichtflugzeug in die Höhe gezogen. Der Flugzeugschlepp hat gegenĂŒber dem Windenschlepp einige Vorteile: WĂ€hrend beim Windenschlepp die Schlepphöhe durch die SeillĂ€nge begrenzt ist und der Ausklinkort durch den Standort der Winde festgelegt ist, kann im Flugzeugschlepp beides frei gewĂ€hlt werden. Falls nötig kann dann schon einmal in eine thermisch bessere Gegend geschleppt werden. Es gibt auch PlĂ€tze, die so liegen, dass von der Winde kaum thermisch Anschluss gefunden werden kann. Von solchen PlĂ€tzen sind lĂ€ngere FlĂŒge grundsĂ€tzlich nur mit Flugzeugschlepp zu realisieren. Schließlich braucht ein Flugzeugschlepp auch deutlich weniger Helfer am Boden, im Extremfall kann er auch ganz ohne Helfer (außer dem Schlepppiloten) erfolgen. Nachteilig sind die höheren Kosten gegenĂŒber dem Windenschlepp.

Die verwendeten Schleppseile bestehen aus Kunststoff- oder Hanffasern. Am Seilende zum Segelflugzeug befindet sich eine Sollbruchstelle mit einem Ringpaar, dessen kleinerer/letzter Ring in eine Schleppkupplung im Nasenbereich des Seglers eingehĂ€ngt wird. Das Schleppflugzeug hat im (oft verstĂ€rkten) Rumpfheck entweder ebenfalls eine Kupplung oder eine Trommel mit Elektromotor zum Einziehen des Seils nach dem Ausklinken, so dass der Sinkflug ohne ein hinten schlingerndes Seil von 40 oder 60 Metern LĂ€nge durchgefĂŒhrt werden kann. VerfĂŒgt das Schleppflugzeug nicht ĂŒber eine Einziehwinde, so wird das Seil vor der Landung vom Motorflugzeug an einer vorbestimmten Stelle des FluggelĂ€ndes im niedrigen Überflug abgeworfen, um zu verhindern, dass sich das Seil bei der Landung in einem Hindernis verfĂ€ngt.

Der Flugzeugschleppstart ist weniger „sportlich“ als ein Windenstart. Ein mitfliegender Gast wird diesen aber als angenehmer empfinden. WĂ€hrend des Schlepps fliegt der Pilot des Segelflugzeugs dem Motorflugzeug exakt hinterher. Dies erfordert von beiden Piloten Disziplin und PrĂ€zision. Beim Erreichen der gewĂŒnschten Schlepphöhe klinkt der Pilot des Segelflugzeugs das Schleppseil aus. Schleppflugzeug und Segelflieger fliegen anschließend entgegengesetzte Kurven (in Europa ĂŒblicherweise Schleppflugzeug linksherum, Segelflieger rechtsherum), um eine Kollision mit dem Seil oder dem anderen Flugzeug sicher auszuschließen. Gleichzeitig beginnt das Schleppflugzeug seinen Abstieg zur Landung. Der F-Schlepp ist fĂŒr Thermik- oder Strecken- und KunstflĂŒge ideal, da das Segelflugzeug direkt in einen Aufwind geschleppt werden kann bzw. durch den Schlepp ausreichend Höhe fĂŒr den Kunstflug erreichen kann.

Eigenstart

In manchen Segelflugzeugen ist ein Motor mit Propeller ausklappbar im Rumpf eingebaut (Klapptriebwerk), welcher einen eigenstĂ€ndigen Start des Flugzeugs ermöglicht. Obgleich somit eine Ähnlichkeit zu Motorseglern vorliegt, sind sie jedoch seit dem Jahr 2002 keine Motorsegler mehr, auch wenn sie das Kennzeichen eines Motorseglers (D-K
) tragen. Sie dĂŒrfen mit einer normalen Segelfluglizenz geflogen werden. Zur DurchfĂŒhrung eines Eigenstarts ist jedoch die Eintragung der entsprechenden Startart „Eigenstart“ im Luftfahrerschein notwendig. Zum Start wird der Propeller ausgefahren und der Motor gestartet. Durch den Vorschub wird das Flugzeug immer schneller, kann abheben und steigen. Wenn die gewĂŒnschte Höhe erreicht ist, wird der Motor abgestellt und eingefahren. Das Segelflugzeug befindet sich dann wie jedes nicht motorisierte Segelflugzeug in reinem Segelflug. Zu unterscheiden sind eigenstartfĂ€hige Segelflugzeuge von solchen, die ĂŒber einen ausfahrbaren Motor verfĂŒgen, der nur zur ReichweitenverlĂ€ngerung dient, den Eigenstart aber nicht ermöglichen. FĂŒr solche, mit sogenannten Turbo-Motoren ausgerĂŒstete Segelflugzeuge bedarf es keiner gesonderten Eintragung im Luftfahrerschein.

Gummiseilstart

Der Gummiseilstart war – nach dem „Laufstart“, wie er noch heute von Drachenfliegern ausgefĂŒhrt wird – in den AnfĂ€ngen des Segelflugs mangels anderer Möglichkeiten die ĂŒbliche Startmethode. „Erfunden“ wurde er von den Studenten der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen (FVA) um Wolfgang Klemperer, die damit ihre FVA-1 „Schwatze DĂŒvel“ auf dem ersten Rhönwettbewerb 1920 starteten.cite-ref-17[17] Da mit dieser Startart aber nur wenige Meter Höhe erreicht werden, ist sie nur dort sinnvoll anwendbar, wo diese geringe Höhe ausreicht, um in den Hangwind zu gleiten, also auf einem Berg oder einer DĂŒne. Historisch waren die ersten etablierten Segelflugorte dann auch die Wasserkuppe und die DĂŒne bei Rossitten (heute Rybatschi). Heutzutage hat der Gummiseilstart fĂŒr Hochleistungssegelflugzeuge keine praktische Bedeutung mehr, wird aber weiter von Liebhabern mit dafĂŒr geeigneten Gleitern durchgefĂŒhrt.cite-ref-18[18]

Beim Gummiseilstart wird hangabwĂ€rts gegen den Wind gestartet (siehe Skizze). Eine Startmannschaft von vier bis zehn, in der Ebene auch bis zu vierzehn „Gummihunden“ (3) strafft zunĂ€chst im Schritttempo, dann mit Schwung im Laufschritt die Seilkonstruktion. Diese besteht aus zwei je circa 25 m langen Gummiseilen (1), die mit einem kurzen Kupplungsseil (2) an das Flugzeug angebunden sind. Alternativ sind die vorderen Zugseile unelastisch und in gleichen AbstĂ€nden mit Knoten versehen, an denen die „Gummihunde“ mit griffigen Handschuhen zupacken; als Hauptseil wird dann ein langes Gummiseil verwendet (oft ein Bungeeseil). Kurz bevor die zunehmende Spannung der vorderen Seile die Helfer stoppt, wird das Halteseil (4) auf Kommando des Startmeisters (oder vom Startmeister selbst) am Haltepflock (5) gekappt oder aus einer Bodenankervorrichtung (5) ausgeklinkt, und das Flugzeug setzt sich zĂŒgig in Bewegung. Der Haltepflock wird heutzutage hĂ€ufig durch eine vier- bis sechsköpfige Haltemannschaft ersetzt, oder eine Haltemannschaft von etwa drei Personen ergĂ€nzt die Funktion des Haltepflocks und sorgt dafĂŒr, dass das Flugzeug nach dem Kappen/Ausklinken des Halteseils mit horizontalen FlĂŒgeln abheben kann. Nach dem Start wird das Startseil am Flugzeug ausgeklinkt.

Die mit dieser Methode erreichte Anfangsgeschwindigkeit von etwa 45 bis 50 km/h genĂŒgt fĂŒr die heute ĂŒblichen, schweren Flugzeuge nicht. Außerdem sind fĂŒr einen Gummiseilstart wesentlich mehr Helfer notwendig als fĂŒr einen Winden- oder Flugzeugschlepp, sodass das VerhĂ€ltnis von Aufwand zu Ertrag unattraktiv ist.

Wie auch die F-Schleppberechtigung oder die Windenschleppberechtigung, muss die Startberechtigung fĂŒr das Gummiseil regelmĂ€ĂŸig aufgefrischt werden. Dies hingegen muss nicht zwingend am Hang geschehen, sondern ist auch in der Ebene möglich. Dabei liegt die Flugdauer meist nur bei wenigen Sekunden.

Autoschlepp

Beim in den USA oder Großbritannien (zum Beispiel bis 2000 im Cotswold Gliding Club) auch heute noch gebrĂ€uchlichen Autoschlepp zieht ein Auto oder LKW das Flugzeug an einem Seil entweder direkt oder ĂŒber eine Umlenkrolle. Alternativ kann eine Seilwinde am Auto wĂ€hrend des Schleppens langsam Seil abgeben, so dass das Segelflugzeug mehr an Höhe gewinnen kann. Auch in Deutschland findet zunehmend diese Startart wieder statt.

Fußstart

Bei sehr leichten und dafĂŒr eingerichteten FluggerĂ€ten ist auch der Fußstart möglich. Geeignete FluggerĂ€te haben entweder einen Rumpf offener Bauart oder verfĂŒgen ĂŒber Öffnungsklappen im Rumpfboden, durch die der Pilot mit den FĂŒĂŸen den Boden erreichen kann. Theoretisch ist so ein Start an der Winde oder im F-Schlepp ohne fremde Hilfe (FlĂ€chenhalter) möglich, diese Kombination birgt jedoch eine erhöhte Unfallgefahr. In der Praxis wird diese Startart daher nur fĂŒr den Start an HĂ€ngen eingesetzt. Hier ist dann, wie bei HĂ€ngegleitern, ein Start ohne fremde Hilfe möglich.

Rollstart

Eine sehr seltene und nur an HĂŒgeln oder Bergen einsetzbare Startart ist der Rollstart oder Gravitationsstart. Hierbei lĂ€sst der im Flugzeug sitzende Pilot dieses einfach solange einen Abhang hinab rollen, bis er die Abhebegeschwindigkeit erreicht hat. Orte, an denen der Rollstart heutzutage regelmĂ€ĂŸig praktiziert wird, sind die SegelfluggelĂ€nde Bezmiechowacite-ref-19[19] und JeĆŒĂłw Sudecki (ehemalige Segelflugschule Grunau).

Gleitflug und Aerodynamik

Grundlagen

Segelfliegen bedeutet, ein Flugzeug ohne einen Motor in einem Gleitflug zu bewegen. Dieser motorlose Flug unterscheidet sich hinsichtlich der Steuerung prinzipiell nicht von dem anderer Luftfahrzeuge. Jedes Flugzeug mit FlĂŒgelflĂ€chen kann gleiten. Dies bedeutet, dass die aus Eigengewicht und der Ausgangshöhe resultierende potentielle Energie des Flugzeugs fĂŒr den Vortrieb genutzt wird. Je nach vorhandener Höhe, Fluggewicht und aerodynamischer QualitĂ€t des Flugzeugs kann man unterschiedlich weit fliegen. Die aerodynamische QualitĂ€t ist das VerhĂ€ltnis aus Auf- und Vortrieb und der Summe aller EinzelwiderstĂ€nde (Luftwiderstand, Widerstand aus Luftwirbeln – z. B. der induzierte Widerstand an den TragflĂ€chenenden-). Die Kraft (oder besser der Vortrieb), um ein Segelflugzeug mit der Geschwindigkeit des besten Gleitens (optimales VerhĂ€ltnis von Sinken und Fluggeschwindigkeit) in der Luft zu halten, betrĂ€gt oft weniger als 10 Kilo.

Beim Gleitflug sinkt das Flugzeug je nach Bauart und Geschwindigkeit mit etwa 0,5 bis 2 m pro Sekunde. Bei großem „Saufen“ (fliegerdeutsch fĂŒr „starkes Sinken“ der das Segelflugzeug umgebenden Luftmasse) oder bei sehr schnellem Flug kann das Segelflugzeug auch mit 5 bis 10 m pro Sekunde sinken. Durch Nutzung natĂŒrlicher Energiequellen wie Thermik, Hangwind oder Leewellen kann das Segelflugzeug wieder an Höhe gewinnen (bei engen Aufwinden im sogenannten „Kurbeln“, bei gĂŒnstigen Aufwindaufreihungen aber auch im Geradeausflug). Dieser Höhengewinn ermöglicht dem Segelflieger, lĂ€ngere Zeit in der Luft zu bleiben und im Gleitflug einen weiteren Aufwind zu erreichen. Bei entsprechender Wetterlage sind damit FlĂŒge von mehreren Stunden Dauer und StreckenflĂŒge von ĂŒber 1000 km möglich.

Das VerhĂ€ltnis zwischen zurĂŒckgelegter Distanz und verlorener Höhe (oder von Horizontalgeschwindigkeit und Sinkgeschwindigkeit) wird als Gleitzahl bezeichnet und entspricht dem Kehrwert des Tangens des Gleitwinkels. Wird eine Flugbahn steiler, erhöht sich die Geschwindigkeit. Bei modernen Segelflugzeugen, die eine sehr gute Gleitzahl aufweisen, fĂŒllen Wettbewerbspiloten Tanks in den TragflĂ€chen mit Wasser, um das Flugzeug schwerer zu machen. Damit besitzt das Flugzeug mit der Flughöhe mehr potentielle Energie, die in kinetische Energie umgesetzt werden kann. In der Praxis bedeutet dies, dass das Flugzeug in der Thermik zwar langsamer steigt, dafĂŒr aber bei gleichem Gleitwinkel mit geringerem Widerstand wesentlich schneller fliegt. Bei guten thermischen Bedingungen wird so unter dem Strich eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit erzielt, wodurch im verfĂŒgbaren Zeitfenster eine grĂ¶ĂŸere Strecke zurĂŒckgelegt werden kann. Wenn die Thermik gegen Abend schwĂ€cher wird, in jedem Fall aber vor der Landung, wird das Wasser abgelassen.

Da im motorlosen Gleitflug jede Störung des Luftstroms um die TragflĂ€chen zu schlechteren Flugleistungen fĂŒhren kann, wird insbesondere von Wettbewerbspiloten großer Wert auf eine möglichst glatte OberflĂ€che gelegt. Der Lack des Flugzeuges wird daher regelmĂ€ĂŸig ausgebessert und poliert, und nach jedem Flugtag von Verschmutzungen und toten Insekten befreit. Letzteres kann mit Hilfe von MĂŒckenputzern sogar wĂ€hrend des Fluges geschehen.

Im Motorflug, auch beim Motorsegler, dient die ZufĂŒhrung von Kraft durch ein Triebwerk dazu, den mit dem Gleitflug verbundenen Höhenverlust auszugleichen. Zu jeder Konfiguration und Fluglage gehört nur eine Geschwindigkeit, in der Auftrieb und Gewichtskraft sich gegenseitig ausgleichen (stationĂ€rer Flugzustand). Daran Ă€ndert auch ein Triebwerk nichts. Wird in einer Konfiguration und Fluglage mehr Kraft (Vortrieb) zugefĂŒhrt, als durch Widerstand verloren gehen, beginnt das Flugzeug zu steigen.

Ein Segelflugzeug kann dann Höhe gewinnen, wenn es gelingt, in einer Luftmasse zu fliegen, die schneller aufsteigt als das Flugzeug absinkt. Bildlich entspricht dies etwa der Situation, wenn man auf einer aufwĂ€rts bewegten Rolltreppe langsam abwĂ€rts geht. Gleiches kann man beim Kreisflug von Greifvögeln oder Störchen beobachten. Höhe gewinnen bedeutet, sich kreisend in einem Thermikschlauch („Bart“) möglichst nahe dem Zentrum aufsteigender Luft zu bewegen, oder alternativ in aufsteigenden Luftmassen wie Leewellen oder Hangwinden zu fliegen. Das Fliegen mit Wasserballast (oder generell mit erhöhtem Abfluggewicht) fĂŒhrt meist zu schlechterem Steigen. Dies erklĂ€rt sich vor allem dadurch, dass aufgrund der höheren FlĂ€chenbelastung sich die Minimalgeschwindigkeit und damit auch der Kreisradius erhöht, wodurch beim Kreisflug der Flugweg nicht mehr optimal ins Zentrum der Thermik verlegt werden kann. Auch fĂŒhlt der Pilot bei beladenem Flugzeug die Aufwindverteilung sehr viel schwĂ€cher. Das vergrĂ¶ĂŸerte Eigensinken spielt daneben eher eine untergeordnete Rolle. Daher wird bei schwacher Thermik ohne Zusatzballast geflogen.

Segelfliegen erfordert neben Kenntnissen der Aerodynamik auch Kenntnisse der Meteorologie und der Auswirkungen der Topologie. Da beim Segelflug ĂŒber die Bedienung der grundsĂ€tzlichen Steuerelemente Höhenruder, Seitenruder und Querruder direkt auf den Flug eingewirkt wird, die Naturbedingungen gleichzeitig Auswirkungen auf die Dauer des Flugs haben und es zu vielen Vertikalbeschleunigungen und relativ steilen Kurvenlagen kommt, wird von Piloten der Segelflug als „pures Fliegen“, als Segelflugsport beschrieben.

Hangaufwind

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Hangwind

Beim Fliegen im Hang-Aufwind fliegt das Segelflugzeug auf der Luv-Seite eines Berghangs in einer aufwĂ€rts gerichteten Luftströmung. Hangwind findet man zum Beispiel, wenn ein BergrĂŒcken quer zur Windrichtung steht. Je nach WindstĂ€rke und Hangform kann bis mehrere hundert Meter ĂŒber die Hangkante gestiegen werden. Hangaufwind war die erste Form des Aufwindes, welche von Segelflugzeugen genutzt wurde. Noch vor Entdeckung des Thermikfluges Mitte der 1920er Jahre wurde auf der Wasserkuppe Hangwind genutzt, um FlĂŒge in Segelflugzeugen zeitlich ĂŒber das Abgleiten der Höhendifferenz zwischen Start- und Landepunkt auszudehnen. So konnte 1922 der erste Segelflug von ĂŒber einer Stunde Dauer vorgenommen werden. Am 11. Mai 1924 flog Ferdinand Schulz in seiner Eigenkonstruktion FS 3 Besenstielkiste mit 8 Stunden 42 Minuten in Rossitten eine Weltbestleistung im Dauerflug. 1954 wurde am Hang des Flugplatzes Laucha der Dauerflugrekord von 27 Stunden und 7 Minuten aufgestellt, Pilot war Kurt Götze. Mit dem „ewigen“ Lauchaer Rekord stellt Fritz Fliegauf in Laucha den letzten jemals geflogenen Dauerflugrekord von ĂŒber 30 Stunden auf, spĂ€ter wurde der Dauersegelflug nach einschlafbedingten AbstĂŒrzen verboten. Internationale Dauerflugrekorde sind auf der Seite der FĂ©dĂ©ration AĂ©ronautique Internationale zu finden.

Thermischer Aufwind

In thermischen Aufwinden gewinnen Segelflugzeuge kreisend Höhe bis knapp unter die Wolkenuntergrenze, welche in Mitteleuropa in AbhĂ€ngigkeit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei etwa 1000 bis 3000 m ĂŒber Meeresspiegel liegt. In den Alpen oder anderen Regionen können die Wolkenuntergrenzen bis 5000 m oder höher steigen. Thermische Aufwinde werden als „Bart“ oder „Schlauch“ bezeichnet. Diese Aufwindzonen entstehen vor allem an besonnten HĂ€ngen von HĂŒgeln und Bergen und in besonders starkem Ausmaß, wenn der Boden felsig oder dunkel ist, oder an Waldkanten, da dort der Wind die warme Luft vom Boden ablösen kann. Über diesen geeigneten FlĂ€chen erwĂ€rmt sich die Luft und steigt wegen der Verringerung der Dichte (siehe Gasgesetze). Segelflugzeuge können so mit ĂŒblicherweise ein bis drei Meter pro Sekunde Höhe gewinnen, besonders starke thermische Aufwinde im Gebirge oder ĂŒber WĂŒsten erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 10 Meter pro Sekunde. FĂŒr den Segelflieger zeigen Quellwolken und manchmal kreisende Greifvögel solche Aufwindzonen an. Über WasserflĂ€chen und WĂ€ldern beispielsweise entsteht tagsĂŒber kaum Thermik, da die SonnenwĂ€rme eher vom Untergrund absorbiert wird, als dass sich die OberflĂ€che erwĂ€rmt. Erst in den Abendstunden finden sich hier ruhige Aufwinde, wenn diese Gebiete infolge der gespeicherten WĂ€rme die Luft erwĂ€rmen (sogenannte Umkehrthermik). Das Variometer zeigt das Steigen beziehungsweise Sinken an und ist damit ein sehr wichtiges Fluginstrument im Segelflugzeug.

In Deutschland ist es im Sichtflug, abhÀngig von der Luftraumklasse, nicht immer erlaubt, bis direkt an die Wolkenuntergrenze zu steigen. Um gefÀhrliche AnnÀherungen an andere Flugzeuge zu vermeiden, ist meist ein vertikaler Wolkenabstand von etwa 300 m einzuhalten (siehe Sichtflugbedingungen). Diese können nÀmlich im selben Luftraum nach Instrumentenflugregeln fliegen und sich damit auch innerhalb von Wolken bewegen.

Wolkenflug ist zulĂ€ssig, wenn der Pilot die entsprechende Lizenz besitzt und der Flug von der Flugsicherung genehmigt wurde. In Deutschland muss das Segelflugzeug hierfĂŒr neben den fĂŒr den Sichtflug vorgeschriebenen Fahrtmesser und Höhenmesser zusĂ€tzlich mit Variometer, Kompass, Wendezeiger oder kĂŒnstlichem Horizont, Libelle sowie mit Funk ausgerĂŒstet sein. Ein Transponder ist zwar nicht vorgeschrieben, erhöht aber die Chancen, eine Freigabe zu erhalten. In der Schweiz gibt es spezielle Wolkenflugzonen, in denen Wolkenflug ohne Freigabe durch die Flugsicherung erlaubt ist. Die Piloten staffeln sich dabei mit Hilfe spezieller Funkverfahren direkt selbst. Der thermische Segelflug ist theoretisch bis zur Wolkenobergrenze möglich. Bei Gewitterwolken liegt sie in unseren Breitengraden bei bis zu 9000 m, in den Tropen bei bis zu 18.000 m ĂŒber dem Meeresspiegel.

Die Pioniere des Segelflugs sind wegen der starken Aufwinde von bis zu 15 m/s in Gewitterwolken eingeflogen. Dazu nutzten sie teilweise komplette Holzhauben, um sich gegen Hagel zu schĂŒtzen. Die enormen KrĂ€fte der turbulenten Auf- und Abwinde konnten im schlimmsten Fall das Flugzeug in der Wolke zerstören. Konnte sich ein Pilot in einer solchen Situation mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug retten, drohten ihm neben Hagel und KĂ€lte noch das Aufsteigen des Fallschirms bis in fĂŒr den Menschen tödliche Höhen. Darum fliegt heute kaum jemand freiwillig in eine Gewitterwolke ein und selbst große, moderne Jets umfliegen sie, wenn das möglich ist.

Induzierte Thermik

KĂŒnstliche Thermikquellen werden induzierte Thermik genannt. Es ist möglich, die AbwĂ€rme eines KĂŒhlturms oder SchĂ€chte des Bergbaus zu nutzen, die Abwetter in die kĂŒhlere Umgebungsluft abgeben. Durch die hohe Energiedichte ist die Thermik hĂ€ufig sehr eng und deshalb meist auch ziemlich turbulent. KĂŒhltĂŒrme rufen auch eine krĂ€ftige Turbulenz hervor, wenn geringe Windgeschwindigkeiten anzutreffen sind.

Kraftwerksthermik wird im Streckenflug gerne benutzt, wenn am Morgen und Abend die natĂŒrliche Thermik schwach ist. Die durch KĂŒhltĂŒrme erzeugte Konvektion durchbricht oftmals die Sperrschichten und ermöglicht ĂŒber der Inversion (siehe Bild) zu fliegen. Die Aufstiegswerte liegen zwischen 1 m/s in 200 m und 5 m/s in 600 m ĂŒber Grund. Nach den TerroranschlĂ€gen vom 11. September 2001 wurden um mehrere Kernkraftwerke in Deutschland FlugbeschrĂ€nkungsgebiete eingerichtet, so dass deren KĂŒhltĂŒrme erst ab 600 m als Aufstiegshilfe genutzt werden können.

Wellenflug

Leewellen entstehen bei besonderen Starkwind-Wetterlagen auf der windabgewandten Seite eines Hindernisses. Segelflieger erkennen diese Wetterlagen hĂ€ufig an den charakteristischen Lenticulariswolken. Sie erreichen in diesen Windsystemen Flughöhen von etwa 3000 bis 8000 m, manchmal auch mehr als 10.000 m ĂŒber dem Boden. Segelflugweltrekorde zur Erreichung einer grĂ¶ĂŸtmöglichen Höhe oder eines grĂ¶ĂŸtmöglichen Höhengewinns können nur in Wellenaufwinden erflogen werden. Der Aufwand dafĂŒr ist extrem hoch und kann nur in speziell dafĂŒr ausgelegten Projekten erbracht werden. Es werden dafĂŒr sogar spezielle Flugzeuge konstruiert, wie etwa das Windward Performance Perlan II.

FĂŒr solche FlĂŒge benötigt man ab circa 4000 m Sauerstoff, ab circa 7000 m einen Druckanzug sowie Kleidung, die gegen die extreme KĂ€lte schĂŒtzt. Die Null-Grad-Grenze liegt selbst im Hochsommer um 3000–4000 m, in 10.000 m herrschen Temperaturen um minus 50 °C. Druckkabinen oder Kabinenheizungen sind bei in Serie hergestellten Segelflugzeugen aus GewichtsgrĂŒnden nicht möglich.

Dynamischer Segelflug

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Dynamischer Segelflug

Es ist möglich, aus einer rein horizontalen, gescherten Strömung Energie zu gewinnen, indem Flughöhe und -richtung koordiniert variiert werden.cite-ref-opt-20-0[20] Albatrosse zum Beispiel nutzen diese Methode in der Scherschicht nahe der MeeresoberflÀche, um ohne eigenen Antrieb sehr lange in der Luft zu bleiben.

WĂ€hrend der zĂŒgigen Steigphase gegen den Wind, der anschließenden engen Wende und dem steilen Abstieg wird der Vogel nach Lee beschleunigt, wobei durch den Steig- und Sinkwinkel bzw. in der Wende durch die Querneigung stets eine Komponente der Strömungsgeschwindigkeit als Aufwind wirksam wird. Nahe der OberflĂ€che fliegt der Vogel dann mit hoher Geschwindigkeit einen grĂ¶ĂŸeren Bogen, evtl. noch eine Strecke gegen den Wind und leitet dann wieder die Steigphase ein. Bei geringerer WindstĂ€rke wird der Vogel nach Lee versetzt.cite-ref-opt-20-1[20]

Ingo Renner hat am 24. Oktober 1974 in Tocumwal (AUS) gezeigt, dass der dynamische Segelflug grundsĂ€tzlich auch mit Segelflugzeugen zu verwirklichen ist, als er mit einer Libelle H301 einen 20-minĂŒtigen dynamischen Segelflug absolvierte. Die Windscherung befand sich dabei an einer Inversion auf rund 300 Meter ĂŒber Grund und betrug rund 70 km/h. In weiteren FlĂŒgen mit einer Pik 20 gelang es ihm, seine Technik so weit zu verfeinern, dass er sogar gegen den Wind vorfliegen konnte.cite-ref-21[21]

Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass der dynamische Segelflug fĂŒr den Streckenflug je eine Bedeutung bekommen wird. Einerseits ist er mit sehr großen Beschleunigungen verbunden, die den Piloten Ă€hnlichen Belastungen aussetzen wie beim Kunstflug, was sehr schnell ermĂŒdend ist. Und zweitens treten Windscherungen von genĂŒgender StĂ€rke in aller Regel nur sehr bodennah auf, was die Fliegerei, gerade auch angesichts der großen Belastung, sehr gefĂ€hrlich macht.

Im Modellflug hingegen hat sich der dynamische Segelflug etabliert. Hier kommen weder die körperliche Belastung noch die Sicherheitsprobleme zum Tragen, und die Modellflugzeuge können sehr viel extremer und auf sehr viel kleinerem Raum manövrieren als manntragende Segelflugzeuge. In der Regel wird der dynamische Modellsegelflug an Windscherungen durchgefĂŒhrt, die von BergkĂ€mmen verursacht werden.

Landung

Ein Segelflugzeug setzt mit EnergieĂŒberschuss (Höhenreserve und erhöhte Geschwindigkeit) zur Landung an – der Pilot tastet sich sozusagen von oben an die Landung heran. Die ĂŒberschĂŒssige Energie wird dann mit Hilfe der Bremsklappen (Luftbremse), durch einen Seitengleitflug (sogenannter „Slip“) oder auch mit Hilfe eines Bremsschirmes in Reibungsenergie umgewandelt. Aufgrund dieser Energieumwandlung ist es möglich, dass Segelflugzeuge sehr prĂ€zise am gewĂŒnschten Landepunkt aufsetzen. Der Pilot kann zwar nicht durchstarten, hat aber genĂŒgend Reserve, um auch einem kurzfristig auftauchenden Hindernis ausweichen zu können. Die leicht erhöhte Geschwindigkeit (zum Vergleich: normaler Thermikflug: 80 km/h, Landung: 90–110 km/h) ist ein Sicherheitsaspekt, der bei Böen oder Luftwirbeln im Landeanflug als Sicherheitsreserve die Steuerbarkeit gewĂ€hrleistet. Die Landung ist generell der schwierigste Teil des Fluges, bei dem höchste Konzentration vom Piloten gefordert wird.

Wenn der Pilot sich auf einem Streckenflug befindet und keine Höhenreserven mehr hat (etwa weil die Thermik gegen Abend nachgelassen hat), sucht er sich ein geeignetes Landefeld. Meist wĂ€hlt er dazu eines der zahlreichen SegelfluggelĂ€nde aus, von dem er nach Hause fliegen (Flugzeugschlepp) oder fahren (Flugzeug im AnhĂ€nger) kann. Ist kein Flugplatz mehr erreichbar, so muss er das Segelflugzeug auf einem Acker oder einer Wiese landen (Außenlandung). Dieser Vorgang wird bereits in der Ausbildung gelernt und ist Segelflugzeugen auf ÜberlandflĂŒgen in Deutschland gestattet.cite-ref-22[22]

Eine Außenlandung wird in Medien oft fĂ€lschlicherweise als Notlandung bezeichnet, unterscheidet sich von dieser aber durch die fehlende Notlage. Je nach Erfahrung des Piloten und Ambitioniertheit der zu fliegenden Strecke kommen Außenlandungen vergleichsweise hĂ€ufig vor. Zu einer guten Überlandflugvorbereitung gehört deshalb die Organisation eines RĂŒckholers und vermehrter Proviant (v. a. Wasser) fĂŒr die Wartezeit auf dem Acker zwingend dazu.

Ausbildung

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Segelflugzeugpilotenlizenz

Die Flugausbildung zum Segelflugpiloten erfolgt zum großen Teil in Segelflugvereinen oder auch in kommerziellen Flugschulen. Die Ausbildung gliedert sich in drei Teile: Der erste Abschnitt beinhaltet das Erlernen der Grundtechniken des Segelfliegens, wie Starten, KurvenflĂŒge und Landen. Dieser Ausbildungsabschnitt erfolgt in einem doppelsitzigen Segelflugzeug. Er endet mit der sogenannten A-PrĂŒfung, den ersten drei AlleinflĂŒgen. Hierbei wird zum ersten Mal das Flugzeug ohne Fluglehrer geflogen. Im zweiten Abschnitt werden die Grundtechniken im Alleinflug geĂŒbt, und es wird auf Einsitzer umgeschult. Auf die sogenannte B-PrĂŒfung folgt die C-PrĂŒfung. Bei diesen PrĂŒfungen muss der FlugschĂŒler zeigen, dass er auch ohne Fluglehrer mit einem Einsitzer bestimmte Aufgaben im Flug erfĂŒllen kann. Mit der bestandenen C-PrĂŒfung endet der zweite Ausbildungsabschnitt. Der dritte und letzte Abschnitt der Ausbildung befasst sich mit der Vorbereitung des thermischen Segelfliegens und vor allem der Ausbildung im Überlandflug. Es werden zunĂ€chst ÜberlandflĂŒge mit Fluglehrern durchgefĂŒhrt, bei denen der FlugschĂŒler praktische Erfahrung in der Navigation mittels Luftfahrerkarte sammelt und lernt, die Wettersituation richtig einzuschĂ€tzen. Nach der theoretischen PrĂŒfung (welche die Themengebiete Meteorologie, Navigation, Technik, Aerodynamik, Luftrecht, Verhalten in besonderen FĂ€llen und Menschliches Leistungsvermögen umfasst) darf der SchĂŒler StreckenflĂŒge alleine durchfĂŒhren. Mit einem Streckenflug ĂŒber mindestens 50 km wird die Praktische Ausbildung abgeschlossen. Seit 2001 darf der 50 km Überlandflug allein durch einen Streckenflug mit Fluglehrer ĂŒber 100 km ersetzt werden. Der Flug ist mittels Logger oder Barographen zu dokumentieren. Eine BestĂ€tigung durch zwei Zeugen und den Fluglehrer reicht aber aus. Nach dem erfolgreichen Überlandflug kann die praktische PrĂŒfung abgelegt werden. Nach bestandener PrĂŒfung ist die Ausbildung beendet und der FlugschĂŒler ist im Besitz eines Segelflugscheins nach EASA-FCL, dem SPL (Sailplane Pilot Licence), der 2012 den GPL und 2003 den PPL mit dem Beiblatt C ablöste.

Die Ausbildung kann mit 14 Jahren begonnen werden und dauert mindestens mehrere Monate bis maximal vier Jahre, bei professionellen Flugschulen ist die Ausbildung auch innerhalb einiger Wochen möglich. Die Lizenz kann in Deutschland mit 16 Jahren durch eine theoretische und praktische PrĂŒfung erworben werden. Notwendig ist unter anderem ein Tauglichkeitszeugnis eines zugelassenen Fliegerarztes.

Da die Ausbildung in den Vereinen ehrenamtlich erfolgt, sind die Kosten durch BeitragsgebĂŒhren fĂŒr den jeweiligen Verein gedeckt. ZusĂ€tzliche Kosten fĂŒr den Lizenzerhalt stellen die medizinischen Tauglichkeitsuntersuchungen, der Erwerb eines Sprechfunkzeugnisses sowie die PrĂŒfungsgebĂŒhren dar.

Der Vertrauensarzt des Bundesamtes fĂŒr Zivilluftfahrt BAZL (Schweiz) bzw. der Fliegerarzt (Deutschland) kann Brillen oder Kontaktlinsen vorschreiben, und eine allgemein gesunde geistige und körperliche Verfassung ist nötig. Hörbehinderte mĂŒssen in der Lage sein, ohne Lippenablesen einer Person einwandfrei zu folgen. FĂŒr den Instrumentenflug sind die Bedingungen in der Schweiz strenger. International sind die Regeln fĂŒr den Erwerb der Segelfluglizenz sehr unterschiedlich. In einigen LĂ€ndern, wie zum Beispiel Großbritannien, wird die Lizenz vom nationalen Sportverband vergeben, wenn theoretische und praktische PrĂŒfungen bestanden wurden (Bronze C plus Streckensegelflug).

Streckensegelflug

Beim Streckensegelflug geht es entweder darum, eine möglichst große Strecke zurĂŒckzulegen oder eine gegebene Strecke in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren. Die Flugrouten und zu nutzenden Aufwinde mĂŒssen vom Pilot wĂ€hrend des gesamten Fluges aktiv ausgewĂ€hlt werden, was hohe Anforderungen an Konzentration und Ausdauer stellt.

FĂŒr die Nutzung der Aufwinde stehen unterschiedliche Strategien zur VerfĂŒgung. Der Pilot kann die Thermik bis zur grĂ¶ĂŸtmöglichen Höhe ausnutzen und sich dann bei moderater Vorfluggeschwindigkeit einen neuen Aufwind suchen. Schnellere Fluggeschwindigkeiten kann der Pilot erreichen, wenn er die stĂ€rksten Aufwindgebiete auswĂ€hlt und sie nur bis zur Maximierung des Tempos nutzt, um dann zur nĂ€chsten Thermik weiterzufliegen; dies birgt das höhere Risiko einer frĂŒhen Landung. Erfahrene Piloten nutzen eine Mischung aus diesen beiden Strategien, je nach den WetterverhĂ€ltnissen. Mit der Optimierung der Reisegeschwindigkeit beschĂ€ftigt sich die Sollfahrttheorie.

In Mitteleuropa sind bei geeignetem Wetter StreckenflĂŒge ĂŒber mehrere hundert Kilometer möglich, vereinzelt wird auch die Tausendermarke ĂŒberboten. Der aktuelle Weltrekord wurde am 19. Juni 2023 von Gordon Boettger mit Bruce Campbell in einem Arcus J in einem fast 18-stĂŒndigen Wellenflug aufgestellt und betrĂ€gt 3058,47 km. Damit löst dieser den am 21. Januar 2003 von Klaus Ohlmann in den Anden aufgestellten Rekord mit 3008,8 km ab.cite-ref-23[23]

Auch sind Rekorde mit bestimmten Flugzeugtypen der alten Holzbauklasse heute noch von Bedeutung. Am 25. April 1972 stellten Dr. Siegfried Baumgartl und Walter Schewe vom Luftsportverein Dinslaken e. V. mit einem Flug ĂŒber 714 Kilometer vom Flugplatz Dinslaken/Schwarze Heide nach Angers in Frankreich einen Weltrekord fĂŒr Doppelsitzer im Zielflug auf. Solche Rekorde mit Flugzeugen der heutigen Zeit sind nicht vergleichbar, denn das Risiko der Außenlandung war wesentlich grĂ¶ĂŸer. Beim Transport moderner Flugzeuge bedarf es einer wesentlich kleineren Mannschaft der Bodentruppe, als es bei Ă€lteren Flugzeugen notwendig war.

Wettbewerbe

Im Streckensegelflug werden auch Wettbewerbe ausgerichtet. Bei diesen Wettbewerben geht es im Wesentlichen darum, eine vorgegebene Strecke möglichst schnell zurĂŒckzulegen. Es gibt regionale Wettbewerbe, Landes-, Europa- und Weltmeisterschaften.

Disziplinen

In der einfachsten Form (dem „Racing Task“) mĂŒssen die Piloten zwei oder auch mehrere „Wendepunkte“ in vorgegebener Reihenfolge anfliegen. Gewonnen hat, wer am schnellsten wieder am Startplatz zurĂŒck ist. Zwischen den Wendepunkten ist die Wahl des Flugwegs Sache des Piloten. Ebenso ist dem Piloten die Wahl des Abflugzeitpunktes – innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters – freigestellt. Gemessen wird die Zeit vom tatsĂ€chlichen Überflug der Abfluglinie bis zur Überquerung der Ziellinie. Somit sind neben der Beobachtung des aktuellen Wetters (und der eigentlichen Flugtechnik) auch die EinschĂ€tzung der Wetterentwicklung und taktische Überlegungen zentrale Bestandteile des Segelflugwettbewerbs. Der Beweis, dass alle Wendepunkte umrundet worden sind, erfolgt heute durch einen elektronischen Logger, der die Wegdaten per GPS aufzeichnet.

Es gibt auch noch andere Formen von Aufgaben, bei fast allen geht es aber darum, eine möglichst hohe Durchschnittsgeschwindigkeit ĂŒber die vorgegebene Strecke oder im vorgegebenen Zeitraum zu erreichen.

Die Tagesaufgabe wird von der Wettbewerbsleitung jeweils am Morgen aufgrund ihrer WettereinschĂ€tzung bestimmt. Sie versucht dabei, die Möglichkeiten des Tages optimal auszuschöpfen. Um Zufallsergebnisse möglichst auszuschließen, erstreckt sich ein Wettbewerb ĂŒber mehrere Tage. Die Dauer reicht von einem verlĂ€ngerten Wochenende fĂŒr kleine regionale Wettbewerbe bis zu zwei Wochen fĂŒr Weltmeisterschaften. Es gibt verschiedene Segelflugzeugklassen, die getrennt bewertet werden.

Seit einigen Jahren werden Wettbewerbe auch in der Grand-Prix-Form durchgefĂŒhrt. Bei dieser Wettbewerbsform fliegen alle Flugzeuge zur gleichen Zeit ĂŒber die Startlinie, und der erste, der die Ziellinie ĂŒberquert, gewinnt den Tag. Zusammen mit Systemen zum Live-Tracking und On-Board-Kameras wird damit vor allem die mediale Aufbereitung und PrĂ€sentation des Wettbewerbs publikumswirksam möglich.

Es bestanden PlĂ€ne, den Segelflug 1940 als olympische Disziplin einzufĂŒhren. Dazu wurde die DFS Olympia Meise konstruiert, die als Einheitsflugzeug eingesetzt werden sollte. Diese PlĂ€ne wurden durch den Zweiten Weltkrieg durchkreuzt und spĂ€ter aus verschiedenen GrĂŒnden nie mehr weiter verfolgt.

Deutsche Meisterschaften

Jedes Jahr veranstaltet der Deutsche Aero Club im Zeitraum vom ersten MĂ€rz bis zum 30. September die dezentrale Deutsche Meisterschaft im Streckensegelflug (kurz DMSt). Bei diesem Wettbewerb werden Strecken um bis zu vier, vom Piloten frei wĂ€hlbare Wendepunkte gewertet. Jeder geflogene Kilometer zĂ€hlt pauschal einen Punkt. Eine vorherige Anmeldung im Flugdatenrekorder oder auf der ausrichtenden Onlineplattform WeGlide.orgcite-ref-24[24] und eine erfolgreiche DurchfĂŒhrung des Fluges bringen zusĂ€tzlich Boni. Um die reine Pilotenleistung zu bestimmen, ist jedem Flugzeugtyp ein Index zugeordnet, der in die Berechnung der endgĂŒltigen Punktezahl des Fluges mit eingeht. Eine Liste der Indizes aller Flugzeugtypen wird vom Deutschen Aero Club veröffentlicht.

Außerdem werden im Zwei-Jahres-Rhythmus zentrale Deutsche Meisterschaften in verschiedenen Wettbewerbsklassen und zusĂ€tzlich Frauen- und Junioren-Meisterschaften ausgerichtet. Innerhalb dieser Wettbewerbe erfolgt die Qualifikation zu den internationalen Meisterschaften, also den jeweiligen Europa- und Weltmeisterschaften.

Die Segelflug-Bundesliga

Eine relativ junge Variante des Streckensegelfluges ist die 2001 ins Leben gerufene Segelflug-Bundesliga (OLC-League). Dieser Mannschaftswettbewerb fĂŒr Vereine wird als dezentraler Wettbewerb auf einer Online-Plattform ausgetragen. Dabei fliegen die Piloten landesweit in circa 19–20 Wochenrunden um die Punkte. Gewertet werden die jeweils drei schnellsten FlĂŒge eines Vereines, wobei die Berechnung der Geschwindigkeit in einem Zeitfenster von zweieinhalb Stunden erfolgt und dieser Schnitt mit einem Flugzeugindex bewertet wird. In Deutschland wird in der Segelflug-Bundesliga (30 Vereine), der 2. Bundesliga (30 Vereine) sowie der Qualifikationsliga (ca. 500 Vereine) und der jeweiligen Landesliga der 16 BundeslĂ€nder gewertet. In der Schweiz werden alle circa 35 Vereine in der gleichen Liga gewertet.

2021 wurde vom Deutschen Aero Club die die Idee der Segelflug-Bundesliga dazu verwendet, parallel zu dieser einen Ă€hnlichen Mannschaftswettbewerb auszutragen. Im Gegensatz zur Segelflug-Bundesliga wird die sogenannte DMSt-Bundesliga nicht auf dem Wettbewerbsportal OLC, sondern auf der Plattform WeGlide.orgcite-ref-25[25] ausgetragen. Dabei fliegen die Piloten landesweit in circa 17–18 Wochenrunden zwischen Ende April und Ende August um die Punkte. Gewertet werden die jeweils drei schnellsten FlĂŒge und die jeweils drei weitesten FlĂŒge eines Vereines, wobei die Berechnung der Geschwindigkeit in einem Zeitfenster von zwei Stunden erfolgt und dieser Schnitt mit einem Flugzeugindex bewertet wird. In Deutschland wird in der DMSt-Bundesliga (25 Vereine), der 2. Bundesliga (25 Vereine) sowie fĂŒnf Landesligen (ca. 500 Vereine) geflogen. In der Schweiz werden alle circa 40 Vereine in der gleichen Liga gewertet.cite-ref-26[26]

Kunstflug-Wettbewerbe

Manche Segelflieger lassen sich im Kunstflug ausbilden. Auch hierzu gibt es Wettbewerbe.

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Kunstflug

Im Kunstflug-Wettbewerb geht es darum, ein vorgegebenes Programm in einem WĂŒrfel von 1000 m KantenlĂ€nge so prĂ€zise und energiesparend wie möglich zu fliegen. Dieser WĂŒrfel, die sogenannte Box, ist aus SicherheitsgrĂŒnden um 400 m, in fortgeschrittenen Klassen um 200 m ĂŒber Grund nach oben verschoben, so dass der Segelflieger sein Programm dort beenden muss. Ein Wettbewerb besteht aus mehreren DurchgĂ€ngen: Bekannte Pflicht, KĂŒr und eine oder mehrere unbekannte Pflichten, die vom Veranstalter erst kurz vor dem Durchgang bekanntgegeben werden und die nicht geĂŒbt werden dĂŒrfen. Gewertet werden die FlĂŒge Ă€hnlich wie beim Eiskunstlauf durch Schiedsrichter, die die AusfĂŒhrung der einzelnen Figuren, aber auch die allgemeine Harmonie des Programms mit Punkten bewertet.

Weltrekorde

‱ Höhenweltrekord: 23.200 m, aufgestellt von Jim Payne (USA) und Tim Gardner in einem EinzelstĂŒck namens Windward Performance Perlan II am 2. September 2018.cite-ref-27[27]
‱ Streckenweltrekord: 3009 km, aufgestellt von Klaus Ohlmann (GER) und Karl Rabeder (AUT) in Argentinien in einem Schempp-Hirth Nimbus 4DM (Doppelsitzer) am 21. Januar 2003.cite-ref-perfektewelle-28-0[28]
‱ Geschwindigkeit ĂŒber ein 1000-km-Dreieck: 169,72 km/h, Helmut H. Fischer (GER) in SĂŒdafrika in einem Schempp-Hirth Ventus am 5. Januar 1995.
‱ Durchschnittsgeschwindigkeit in einem Segelflugzeug ĂŒber 300 km/h ĂŒber eine Flugstrecke von 1000 Kilometern durch Klaus Ohlmann im Jahr 2006.cite-ref-perfektewelle-28-1[28]

Weitere Weltrekorde sind auf der Website der FĂ©dĂ©ration AĂ©ronautique Internationale unter dem Reiter „Records“ abrufbar.cite-ref-29[29]

‱ Dauersegelflug wird seit Mitte der 1950er-Jahre nicht mehr anerkannt (siehe Abschnitt „Hangaufwind“). Der letzte von der FAI anerkannte Weltrekord wurde 1954 von den beiden Franzosen Bertrand Dauvin und Henry Couston auf Kranich III aufgestellt. Der Flug wurde vom 6. bis 8. April durchgefĂŒhrt und dauerte insgesamt 57 Stunden und 10 Minuten.

Bedeutung

Segelflug ist ein historisch gewachsenes Kulturgut, d. h. „etwas, was als kultureller Wert Bestand hat und bewahrt wird“.cite-ref-duden-30-0[30]cite-ref-31[31] Nachdem der Flugpionier Otto Lilienthalcite-ref-lilienthal-1-1[1] in den 1890er-Jahren die ersten wissenschaftlichen Grundlagen und praktischen Erfahrungen geliefert hatte, vollzog sich eine kontinuierliche Weiterentwicklung der aerodynamischen Erkenntnisse und Perfektionierung der technischen Materialien zu dem ausgereiften heutigen Segelflugsport.cite-ref-32[32] Es kommt ihm eine sportliche, eine gesundheitliche, eine soziale, eine erlebnispĂ€dagogische und eine kulturelle Bedeutung zu.cite-ref-33[33] Eine Anerkennung des Segelfluges auf der Wasserkuppe als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO auf Antrag der Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe wurde bisher abgelehnt. Hauptgrund ist die nichterfolgte Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit und der Übergangsphase im Nachkriegsdeutschland des deutschen Segelfliegens.cite-ref-fuldaer-34-0[34]cite-ref-welt-35-0[35]cite-ref-rundschau-36-0[36]

Sportliche Bedeutung

Die sportliche Bedeutung ergibt sich aus der körperlichen, geistigen, bewegungstechnischen, emotionalen und sozialen Beanspruchung beim AusĂŒben der Sportart. Diese beginnt mit der gemeinsamen Wartung, der Pflege, dem Starten und Einholen der Maschinen in der Gruppe und setzt sich fort in der körperlichen BetĂ€tigung in der Luft. Der rapide Höhengewinn beim Windenstart oder Flugzeugschlepp und das Kreisen in Thermik, dynamischen Aufwinden oder Leewellen stellen eine hohe Kreislaufbelastung dar. Bei labiler Wetterlage können sich Steig- und Sinkraten von fĂŒnf bis zehn Metern pro Sekunde ergeben. Segelfliegen lĂ€sst sich als Freizeitsport, aber auch als Hochleistungssport in verschiedenen Meisterschaftsklassen realisieren. Dabei sind FlĂŒge von mehreren Stunden und Strecken von ĂŒber dreitausend Kilometern (Weltrekord 3009 km / 2003) erreichbar.cite-ref-37[37] Hinzu kommt der hoch anspruchsvolle Kunstflug, bei dem extreme g-Belastungen (FliehkrĂ€fte beim Aufziehen bzw. im Abfangbogen) auf den Körper einwirken und ein hohes flugtechnisches Können des Piloten erforderlich ist.

Gesundheitliche Bedeutung

Die gesundheitliche Bedeutung resultiert aus dem Charakter als FreiluftbetĂ€tigung und Freiluftsport. Schon kurze FlĂŒge von wenigen Minuten in der Platzrunde bewirken durch die Steig- und Sinkbewegungen ein gesundheitsförderliches Kreislauftraining. RegelmĂ€ĂŸige fliegerĂ€rztliche ÜberprĂŒfungen der Gesundheit und ein gĂŒltiges fliegerĂ€rztliches Tauglichkeitszeugnis sind Vorschrift.cite-ref-38[38] Wegen der Atementlastung in der Höhe bieten Segelflugvereine hĂ€ufig Kindern, die an Asthma bronchiale leiden, an besonderen Flugtagen das Mitfliegen an.

Gesellschaftliche und soziale Bedeutung

Eine gesellschaftliche Bedeutung kommt dem Segelfliegen insofern zu, als es eine Sportart darstellt, die interessierten Menschen eine sinnhaltige Freizeitgestaltung ermöglicht und dabei zugleich eine gemeinschaftsbildende Funktion erfĂŒllt. Da die Ausbildung zum Segelflieger bereits mit 14 Jahren begonnen werden kann, profitieren schon Jugendliche von der Bildungswirkung der Sportart, auch als Teil der Wagniserziehung in der Gruppe.cite-ref-39[39]

Segelfliegen ist nur als Gemeinschaftssport denkbar. Es sind Hilfsbereitschaft und Kameradschaft sowie ein gemeinschaftsdienliches Denken und Handeln gefragt, die bei der Starthilfe und beim Einholen der Flieger nach der Landung, auch von entfernten AußenlandeplĂ€tzen, bei der Bedienung der Winde, des Schleppflugzeugs und des Lepo (SeilrĂŒckholfahrzeug) zur Geltung kommen. Sie zeigen sich bei der Beteiligung am Hallendienst und dem Engagement bei der Wartung und Pflege der Maschinen. Und sie beweisen sich nicht zuletzt in Form von Geduld und Toleranz, wartend am Boden sitzen zu mĂŒssen, wĂ€hrend ein Fliegerkamerad das gemeinsame Flugzeug fĂŒr einen stundenlangen Flug in der schönsten Thermik nutzt.

Um den Gemeinschaftssport sinnvoll ausĂŒben zu können, organisierten sich die Flugbegeisterten schon frĂŒh in Segelflugvereinen, die auf clubeigenem oder von der Gemeinde bereitgestelltem FluggelĂ€nde den fachlichen und privaten Austausch pflegen konnten und so ein Hineinwachsen in eine oft lebenslange Fliegergemeinschaft ermöglichten.

ErlebnispÀdagogische Bedeutung

Segelfliegen ist ein Sport mit hohem Erlebniswert. Das Abheben vom Boden, die Auseinandersetzung mit den Luftströmungen erfordern Mut und Selbstvertrauen. Sie danken es aber mit einem beglĂŒckenden Erleben. Die Erfahrung, eine schwierig erscheinende Aufgabe, eine attraktive Sportart ĂŒber einen entsprechenden Kompetenzerwerb souverĂ€n meistern zu können, ist vor allem in der Selbstfindungsphase der Jugendlichen von hohem pĂ€dagogischem Wert fĂŒr die Charakterbildung. Segelfliegen findet sich deshalb auch in der Outward-Bound-Erziehung und entsprechenden erlebnispĂ€dagogischen Einrichtungen. Der Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz nennt fĂŒnf GrĂŒnde fĂŒr die AttraktivitĂ€t und die pĂ€dagogische Bedeutung des Flugsports:cite-ref-40[40]

‱ den „Raumgewinn“, der den Luftraum als zusĂ€tzlichen Lebens- und Gestaltungsraum fĂŒr den Sportler verfĂŒgbar macht,
‱ den „Perspektivgewinn“, der die Wahrnehmung verĂ€ndert, indem er den Blick aus der „Vogelperspektive“ auf die Erde entdecken lĂ€sst,
‱ den „Körper- und Bewegungsgewinn“, der ein neues KörpergefĂŒhl und neue BewegungsspielrĂ€ume schafft,
‱ den „Geistigen Gewinn“, der in der intelligenten Nutzung von FluggerĂ€t, Flugtechnik und Naturwissen besteht,
‱ den „Seelischen Gewinn“, der sich in den GlĂŒcksgefĂŒhlen beim Lösen von der Erdverhaftung und dem Erleben von Freiheit offenbart.

Der Philosoph Gotthard GĂŒnther brachte es Anfang der 1930er Jahre bis zum Internationalen Leistungsabzeichen („Silber-C“) und absolvierte spĂ€ter einen Kurs im „ingenieurmĂ€ĂŸigen Segelfliegen“ am Deutschen Forschungsinstitut fĂŒr Segelflieger in Darmstadt. Über den Einfluss der Fliegerei auf sein Denken sagte er: „Sehen Sie, 'Philosophie' das ist nur ein anderer Name fĂŒr ‚Idealismus‘, und Idealismus ist der Aufstieg zu den abstrakten Regionen des Seins, ist Ablösung von den konkreten Bedingungen des Seins. [
] Mir ging es im Flugzeug da oben am Himmel Ă€hnlich wie in den verschneiten Bergen auf Skiern: ich atmete auf. Ich hatte dazu eine AffinitĂ€t, ich weiß nicht warum. Und ich hatte auch eine AffinitĂ€t zum Idealismus.“cite-ref-41[41]

Literatur

Geschichte

‱ Georg BrĂŒtting: Geschichte der Segelflugbewegung. In: Wolf Hirth (Hrsg.): Handbuch des Segelfliegens. 7. Auflage. Franckh’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1957.
‱ Dietmar Geistmann: Die Entwicklung der Kunststoff-Segelflugzeuge. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-87943-483-2.
‱ Jochen von Kalckreuth: Das stille Abenteuer. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02206-0.
‱ Peter Riedel: Erlebte Rhöngeschichte 1911–1926 Band I „Start in den Wind“. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-87943-539-1.
‱ Peter Riedel: Erlebte Rhöngeschichte 1927–1932 Band II „Vom Hangwind zur Thermik“. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-87943-981-8.
‱ Peter Riedel: Erlebte Rhöngeschichte 1933–1939 Band III „Über sonnige Weiten“. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-613-01047-X.
‱ Martin Simons: Segelflugzeuge 1920–1945 Eqip Verlag Königswinter 2001, ISBN 3-9806773-6-2.
‱ Martin Simons: Segelflugzeuge 1945–1965 Eqip Verlag Königswinter 2002, ISBN 3-9807977-3-2.
‱ Martin Simons: Segelflugzeuge 1965–2000 Eqip Verlag Königswinter 2003, ISBN 3-9808838-0-9.
‱ Dieter Vogt, Fotos: Gerhart Wagner: Segelflieger: Vom Wind verwöhnt. In: Geo-Magazin. Hamburg 1978, 10, S. 120–138. Die Striedieck-Story beginnt 1966 
. Erlebnisberichte verbunden mit der geschichtlichen Entwicklung des Segelflugs und dessen Beförderung durch den Versailler Vertrag. ISSN 0342-8311.
‱ Herbert Weishaupt: Das große Buch vom Flugsport. Weishaupt Verlag, Gnas 1996, ISBN 3-7059-0033-1.
‱ Philip Wills: Auf freien Schwingen. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-87943-377-1.
‱ Gerhard Wissmann: Abenteuer in Wind und Wolken – Die Geschichte des Segelfluges. Transpress Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-344-00275-9.

LehrbĂŒcher

Grundausbildung

‱ Alexander Willberg: Segelfliegen fĂŒr AnfĂ€nger. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2016 (3. ĂŒberarbeitete Auflage), ISBN 978-3-613-03658-1.
‱ Helmut Reichmann: Segelfliegen. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1998 (1. Auflage 1979), ISBN 3-87943-660-6.
‱ Winfried Kassera: Flug ohne Motor. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2005 (1. Auflage 1971), ISBN 3-613-02335-0.

WeiterfĂŒhrende Literatur

‱ Georg BrĂŒtting/Alexander Willberg/Rainer HĂŒls: Die berĂŒhmtesten Segelflugzeuge, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-02999-6.
‱ Jochen von Kalckreuth: Segeln ĂŒber den Alpen. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000 (1. Auflage 1972), ISBN 3-613-02047-5.
‱ Peter Mallinson, Mike Wollard: Handbuch des Segelkunstflugs. Eqip Verlag, Königswinter 2001, ISBN 3-9806773-5-4 (Übersetzung, 1. Auflage des englischen Originals 1999)
‱ Helmut Reichmann: Streckensegelflug. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2005 (1. Auflage 1975), ISBN 3-613-02479-9.

Zeitschriften

‱ Segelfliegen – Das Magazin fĂŒr Segelflieger

Weblinks

Wiktionary: Segelflug

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: Segelfliegen

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Wiktionary: Segelflieger

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Commons

: Segelflugzeuge

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Literatur von und ĂŒber Segelflug im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Segelfliegen Lernen Übersicht der deutschsprachigen Flugschulen, Links, Videos zum Segelflug
‱ Deutscher Segelflugserver Verzeichnis von Vereinen weltweit, AnkĂŒndigung von Wettbewerben, Plattform
‱ Deutscher Segelflugverband e. V. Interessenvertretung Segelflug in Deutschland
‱ Deutscher Aero Club e. V.
‱ Österreichischer Aero Club
‱ Schweizer Segelflug-Verband
‱ Bundesausschuss Kultur im DAeC. e. V.

Einzelnachweise

cite-note-lilienthal-11. ↑ Otto Lilienthal: Fliegesport und Fliegepraxis. In: Prometheus, Illustrirte Wochenschrift ĂŒber die Fortschritte in Gewerbe, Industrie und Wissenschaft. 7. Jahrgang, Heft 11, Nr. 323, 11. Dezember 1895, S. 169–173 (lilienthal-museum.de).
cite-note-22. ↑ Joe W. McDaniel: 1902 Wright Glider – Just the Facts. In: Wright Brothers Aeroplane Company. 2010, abgerufen am 22. Januar 2021.
cite-note-33. ↑ National Soaring Museums, Orville Wright Biografie
cite-note-flugsport1921-19-44. ↑ Flight: Rhön-Erfolge – Die Zeitschrift Flight schreibt wörtlich ĂŒbersetzt folgendes. In: Carl Oskar Ursinus (Hrsg.): Flugsport. Nr. 19. Verlag fĂŒr Flugsport, Frankfurt am Main 14. September 1921, S. 421 (luftfahrt-bibliothek.de [abgerufen am 16. Februar 2020]).
cite-note-55. ↑ Boedecker und Zander (Die Fliegerhalle) (PDF; 874 kB)
cite-note-66. ↑ Robert Albinus: Königsberg Lexikon. WĂŒrzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1
cite-note-77. ↑ Fliegerstadt Laucha – 100 Jahre Luftsport
cite-note-88. ↑ mdr.de: Laucha an der Unstrut: Die Geschichte der Fliegerstadt (23. April 2024)
cite-note-deutschemuseum-99. ↑ Tatjana Krasawin: Segelflug in der NS Zeit. In: www.deutsches-museum.de. Deutsches Museum, 1. MĂ€rz 2019, abgerufen am 1. August 2020.
cite-note-rgbl1937-1010. ↑ RGBl. Jg. 1937, Teil 1, S. 529 – Erlaß des FĂŒhrers und Reichskanzlers ĂŒber das Nationalsozialistische Fliegerkorps vom 17. April 1937.
cite-note-landesarchiv-1111. ↑ NS-Fliegerkorps (NSFK): Gruppe 15 WĂŒrttemberg. Findbuch PL 507. In: www2.landesarchiv-bw.de. Landesarchiv Baden-WĂŒrttemberg Staatsarchiv Ludwigsburg, abgerufen am 1. August 2020.
cite-note-rotenburg-1212. ↑ Oliver Gußmann, Wolf Stegemann: Eine von drei Reichsmodellbauschulen des NS-Fliegerkorps befand sich in Rothenburg – Hitler: Jugend auf den Luftkrieg vorbereiten. In: www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de. Evangelisches Bildungswerk Rothenburg/Tauber, 20. Januar 2014, abgerufen am 1. August 2020.
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cite-note-1919. ↑ Rollstart in Bezmiechowa
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cite-note-welt-3535. ↑ Segelflug auf der Wasserkuppe kein Kulturerbe. In: www.welt.de. 17. Dezember 2015 (welt.de [abgerufen am 27. August 2020]).
cite-note-rundschau-3636. ↑ Regine Seipel: Segelflieger erforschen NS-Zeit. In: Frankfurter Rundschau. 18. Januar 2019, ISSN 0940-6980 (fr.de [abgerufen am 27. August 2020]).
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cite-note-3838. ↑ Tauglichkeitsrichtlinien nach JAR-FCL3 (Memento vom 15. Mai 2012 im Internet Archive) (PDF; 589 kB)
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cite-note-4040. ↑ Siegbert A. Warwitz: PhĂ€nomen und Faszination des Fliegens und seine Möglichkeiten der Welterweiterung, In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2021, S. 92–97
cite-note-4141. ↑ Claus Baldus, Gotthard GĂŒnther: Phaidros und das Segelflugzeug: Von der Architektonik der Vernunft zur technischen Utopie. Aus GesprĂ€chen mit Gotthard GĂŒnther. In: Das Abenteuer der Ideen. Architektur und Philosophie seit der industriellen Revolution. Internationale Bauausstellung Berlin 1987. 1987, S. 69–83 (vordenker.de [PDF; abgerufen am 10. August 2015]).